09.08.2002 Bruno Plache Stadion, Leipzig
VfB Leipzig - FCC 4:1
Nach dem knappen Auftaktsieg gegen Dresden Nord brachte der zweite Spieltag das erste Spitzenspiel. Und wie Spitzenspiele an zweiten Spieltagen halt so sind, wusste vorher wieder mal niemand, was man so von sich selbst oder gar vom Gegner zu halten hatte. Nach dem Spiel war diese Frage allerdings überdeutlich geklärt.
Weil es über das Spiel aus FCC-Sicht nichts wirklich positives zu berichten gibt und ich mich in die Schlange der Weltuntergangsvorherseher am 2. Spieltag (noch?) nicht einreihen möchte, kann ich mich voll und ganz auf die vom VfB in Zusammenarbeit mit dem Fanprojekt ausgedachte Halbzeitaktion konzentrieren. Geplant war: Aus beiden Fanlagern kommen ein paar (je 5?) Fans, machen irgendein Spiel, die Sieger bekommen einen Kasten Bier und alle gehen wieder friedlich zurück in den Block.
Die Umsetzung sah so aus: Die Ordner öffneten jeweils ein Tor von Heim- und Gästeblock. Der Stadionsprecher bat in seiner äußerst naiven Art die Fans aufs Spielfeld. Als er sah, dass mehr als nur die paar Auserwählten aus dem VfB-Block kamen, zeigte er sich sehr begeistert und rief noch mehr Fans dazu auf, ebenfalls in den Innenraum zu kommen. Die FCC-Fans, die an dem Spiel teilnehmen wollten, erkannten, dass sie nun wohl besser im Block bleiben sollten, weil ihnen 100 Lokis auf dem Rasen nicht ganz geheuer waren. Allerdings gab es auch 20 bis 30 weniger helle Jena-Fans, größtenteils im Alter zwischen 12 und 16, die das Spielfeld durch das immer noch offene und unbewachte Tor betraten.
Die Fans beider Mannschaften, die sich jetzt auf dem Spielfeld befanden, kann man keineswegs als Hooligans bezeichnen - vielleicht eher als Halbstarke. Noch waren sie rund 30 Meter voneinander entfernt und wussten nicht so genau, was sie jetzt wohl tun sollten. Also hoben sie erst einmal die Hände, schwenkten ihre Schals und provozierten sich gegenseitig. Plötzlich setzte sich ein Teil der Lok-Fans in Richtung des Gästeblocks in Bewegung. Die meisten der FCC-Platzstürmer erkannten nun, dass es wohl besser wäre den Rückzug anzutreten, und versuchten durch das Tor zurück in den Innenraum zu flüchten. Mittlerweile hatte aber sogar die Polizei, die sich vorher der intensiven "Überwachung" der Versorgungsstände widmete, die Situation erkannt und wollte aus dem Gästeblock raus auf den Rasen.
Also haben wir ein rund 2 Meter breites Tor, 20 Leute, die das Tor in die eine, und 20 Polizisten, die das Tor in die andere Richtung passieren wollen. Wer das nicht gesehen hat, ist selbst schuld. Kein Slapstick-Drehbuch-Autor könnte sich bessere Szenen ausdenken.
Ich kann nicht ausschließen, dass es auf dem Rasen zu der ein oder anderen Beule kam, aber im großen und ganzen dürfte niemandem etwas ernsthaftes passiert sein - und wer so clever war, nicht in die Nähe des Tores zu gehen, war nie ernsthaft in irgendeiner Gefahr. Insgesamt also eine wirklich gelungene Halbzeitunterhaltung, die allerdings auch niemanden mehr aufheitern konnte.